Erlebnis Rehkitzsuche 

Das Handy piept, die Whatsapp-Gruppe "Rehkitzsuche" hat eine neue Nachricht: "wir treffen uns in 2 Stunden." Der Bauer hatte dem Jäger Bescheid gesagt, dass er in ein paar Stunden oder am kommenden Morgen mähen möchte. Die Antworten kommen nach und nach: "ich bin dabei", "ich auch", "ich schaff`s", "ich komme auch". Wir ziehen uns festes Schuhwerk an, am besten Gummistiefel, wer hat eine Regenhose, nicht zu dick, denn es ist ja anstrengend und man kommt leicht ins schwitzen. Allerdings ist es manchmal auch ganz schön kalt, wenn bei Regenwetter das Gras nass ist. Daher die Wetterkleidung. Wir treffen uns am Sammelplatz und gehen entweder alle zusammen auf eine Wiese oder in mehreren Gruppen, wenn genug Leute zusammen gekommen sind. Je mehr wir sind, umso enger können wir in Reih und Glied die Wiese ablaufen. Rauf und runter. Oder hin und her. Wir haben den Blick fest auf den Boden direkt vor uns gerichtet. Auch mal nach rechts und links oder doch nochmal kurz hinter uns. Wir achten auf Liegemulden, damit man abschätzen kann, ob in dieser Wiese etwas los ist. Aber auch auf unseren Nebenmann/frau, damit die Abstände zwischen uns nicht zu groß oder zu eng werden. Wir können dabei mit einander schnacken, sofern wir dabei weiter konzentriert nach unten schauen. Ab und zu kommen auch mal fachliche Fragen auf, gerade wenn neue Leute dabei sind, so lernern wir immer wieder dazu. Wir laufen durch verschieden hohes Gras, übersichtlich ist es bei niedrigem Grasstand am Anfang der Saison, schwierig wird es, wenn der Monat fortgeschritten ist und das Gras bereits Hüft- oder Bauch- oder sogar Brusthoch ist. Dann wird es echt anstrengend und sehr schwierig überhaupt irgendetwas zu entdecken. Wir laufen im Storchenschritt, manchmal kommen wir ins trudeln, weil das Gras uns "festhält". Plötzlich ein Ruf: "ich hab was". Jemand hebt die Hand, der Jäger wird aufmerksam gemacht, wir laufen alle vorsichtig im Kreis zusammen und versuchen staunend, das Kitz im hohen Gras zu entdecken. Es werden Fotos zur Erinnerung gemacht und alle sind glücklich über diesen Fund. Der Jäger reisst Gras aus und nimmt das Rehkitz mit diesem Gras hoch, damit er nicht mit seinem menschlichen Geruch ans Kitz kommt, denn dann nimmt die Ricke das Kitz evtl. nicht mehr an. Dann bringt er es rüber in eine Nachbarwiese in der aktuell nicht gemäht wird. Manchmal ist das Kitz mucksmäuschenstill, manchmal schreit es ohrenbetäubend laut und die Mama-Ricke kommt angerannt und beobachtet, was da vor sich geht. Das Kitz wird abgelegt und weiter geht die Suche. Ein Kitz hat noch keinen Eigenduft, daher finden die Jagdhunde sie genau wie wir nur durch Zufall. Aber es ist gut, wenn diese ausgebildeten Hunde dabei sind, denn sie laufen schneller einen größeren Radius ab als wir. Auch hinterlassen die Hunde genau wie wir einen Duft im Feld. Das wird bewirken, dass die Ricke mit dem Kitz in dieser Nacht nicht wieder zurück läuft aufs Feld. Auch stellen wir manchmal Pfähle mit flatternden Tüten auf, auch das soll die Tiere abschrecken, diese Wiese vor dem Mähen wieder zu betreten. Die Rehkitze ducken sich naturgemäß dicht auf die Erde, dass macht es so schwer, sie im hohen Gras zu finden. Sie sehen aus wie Maulwurfshügel, daher sollte man bei diesen Hügeln genauer hinsehen. Auch wenn sich das hohe Gras nach oben etwas öffnet, schaut man nochmal genauer nach unten, teilt vielleicht mit den Händen das Gras auseinander, um genauer sehen zu können. Auch die Füße helfen mit. Ich stolpere so vor mich hin, mein Fuß stößt an etwas, dann nochmal, ich stutze und schaue genauer hin: tatsächlich, mein Fuß hat ein Kitz gefunden. Alle haben immer Angst, auf ein Kitz zu treten, aber ich bin unglaublich froh darüber, denn ich hätte es in dem sehr hohen Gras an dieser Stelle niemals gesehen. Auf einmal ein Aufschrei, man erschrickt sich sehr, denn direkt vor der Nase fliegt ein Rebhuhn oder eine Ente auf. Wir suchen ganz genau und finden tatsächlich ein Gelege. Die Eier werden eingesammelt und kommen in einen Brutkasten. Zwei Wiesen sind fertig, aber es fehlen noch ein paar, die Bauern mähen oftmals alle gleichzeitig, da ist dann viel zu tun. Die ersten verabschieden sich, der Rücken macht nicht mehr mit, das Bein beschwert sich, der Heuschnupfen quält. Die anderen machen weiter. Wir finden nicht jedes mal etwas, aber das ist nicht schlimm. Manchmal haben die Ricken noch einen dicken Bauch oder die Kleinen sind schon so groß, dass sie selber vor uns weglaufen können. Manchmal sind wir 2 Stunden unterwegs, manchmal 3 bis 4 Stunden. Wir gehen müde und kaputt, aber glücklich und zufrieden angesichts dieser wichtigen Arbeit nach Hause und warten auf den nächsten Termin in unserer WhattsApp-Gruppe. 

Inzwischen ist die Saison vorbei, wir haben 6 Rehkitze gefunden und umgesetzt, mehrere größere Kitze selbständig aus der Wiese rauslaufen sehen, erwachsene Rehe sowieso. 1 Gelege vom Rebhuhn mit 16 Eiern, 2 Gelege von Enten mit 6 und 11 Eiern konnten wir einsammeln und weitergeben um sie im Brutkasten ausbrüten zu lassen. Jedes Jahr ist ein bisschen anders. Es bleibt spannend, im nächsten Jahr sind wir wieder dabei.